Stammes Rochus Spiecker informiert
Stellungnahme des Stammes Rochus Spiecker zur aktuellen Studie zur Aufarbeitung sexuellen und spirituellen Missbrauchs in der DPSG
Liebe Eltern, liebe Angehörige, liebe Förderer und liebe Freunde unseres Stammes,
wir möchten uns heute auch ganz offiziell zu der Studie äußern, die unsere Bundesleitung veröffentlicht hat. Viele von euch haben davon bereits vermutlich über verschiede Medien oder die Berichterstattung in den Nachrichten erfahren. In dieser von der DPSG beauftragten Studie wurde das Thema sexualisierte und spirituelle Gewalt innerhalb der DPSG aufgearbeitet:
Dieses Thema beschäftigt den Bundesverband bereits seit längerer Zeit und wurde auch bei uns im Stamm frühzeitig aufgegriffen. Uns ist es wichtig, neben der bundesweiten Berichterstattung und den dort vorgestellten Maßnahmen auch offen darzulegen, wie wir als Stamm konkret in Weilburg mit diesem sensiblen Thema umgehen und welche Schritte wir bereits unternommen haben.
Ein zentraler Punkt ist die Ausbildung unserer LeiterInnen: alle unsere LeiterInnen haben die Möglichkeit an einer entsprechenden Schulung teilzunehmen, die Teil eines gesamtverbandlichen Ausbildungskonzeptes ist.
Fast alle LeiterInnen unseres Stammes haben diese Schulung bereits durchlaufen. Die neuen LeiterInnen holen diese unabhängig von der Studie nach. In unserer Diözese ist diese Schulung verpflichtend für alle, die an Lagern teilnehmen, da sie sich insbesondere mit Prävention, Nähe und Distanz sowie dem Umgang mit schwierigen Situationen auf größeren Veranstaltungen befasst.
Darüber hinaus haben wir als Stamm ein eigenes Schutzkonzept erarbeitet, das speziell auf unsere Arbeit vor Ort zugeschnitten ist. Ein solches Konzept ist mittlerweile verpflichtend. Dieses „Institutionelle Schutzkonzept“, kurz ISK, ist für jeden auf unserer Homepage zu finden. Es enthält konkrete Maßnahmen, klare Zuständigkeiten und verbindliche Abläufe und Ansprechpersonen und wird regelmäßig aktualisiert.
Ein Bestandteil des Konzeptes ist unser Kummer- und Beschwerdekasten. Dieser hängt gut sichtbar im Flur unserer Hütte in Weilburg und kann von den Kindern aller Stufen genutzt werden, auch ganz niedrigschwellig quasi im Vorbeigehen.
Der Kasten kann ausschließlich von zwei dafür benannten Leitenden gemeinsam geöffnet werden, nur wenn beide gemeinsam anwesend sind, ist ein Zugriff auf die Inhalte möglich.
Zusätzlich ist für dieses Jahr geplant, dass in unserer Hütte Steckbriefe aller LeiterInnen aushängen. So haben die Kinder die Möglichkeit, sich auch dann zu orientieren, wenn sie einen Namen nicht kennen, aber eine Person beschreiben möchten.
Ein weiterer wichtiger Baustein unserer Präventionsarbeit ist das erweiterte Führungszeugnis, das jede/r Leitende regelmäßig alle 3 Jahre vorlegen muss. Zwar sieht der Verband eine Aktualisierung spätestens alle 5 Jahre vor, wir haben uns aber bewusst für eine strengere Regelung entschieden. Die Führungszeugnisse werden nicht von uns eingesehen, sondern an die zuständige Stelle innerhalb der DPSG zur Prüfung weitergeleitet. Über relevante Einträge würden wir so informiert und eine Tätigkeit als LeiterIn wäre damit ausgeschlossen.
Alle unsere LeiterInnen haben diese Führungszeugnisse bereits vorgelegt und erneuern sie regelmäßig.
Nach unserem aktuellen Kenntnisstand gibt und gab es in unserem Stamm keine dokumentierten Fälle. Gleichzeitig können wir nicht ausschließen, dass es solche Vorfälle gab, die nie gemeldet und aufgearbeitet wurden. Sollte es hierzu Gesprächsbedarf geben, bitten wir ausdrücklich darum, sich zu melden. Wir sind offen für Gespräche und bereit, alles transparent aufzuarbeiten. Die entsprechenden Anlaufstellen sind ebenfalls in unseren ISK benannt.
Nach unserem Pfadfinderverständnis soll sich jeder Mensch bei uns angenommen, sicher und wohl fühlen genau so wie er ist. Das ist ein zentraler Bestandteil unserer pädagogischen Arbeit und unseres Selbstverständnisses.
Zum Abschluss möchten wir klar sagen: wir bedauern zutiefst was Kindern im Rahmen sexualisierter und spiritueller Gewalt widerfahren ist, innerhalb der DPSG, aber auch weit darüber hinaus.
Als PfadfinderInnen und auch als Menschen verabscheuen wir jede Form von Gewalt.
Bei Fragen, Anmerkungen oder Gesprächsbedarf stehen wir euch jederzeit zur Verfügung. Wir sind immer dankbar für einen offenen, konstruktiven Austausch und dafür, diesen wichtigen Weg gemeinsam zu gehen.
Vielen Dank für euer Vertrauen
Der Stammesvorstand Rochus Spiecker, Weilburg